Frauen als Mittel zur Fortpflanzung

"Jesus" erzählt im "Großen Evangelium Johannes" von einem Gespräch mit Jurah über das mosaische Gesetz. Jurah will nun wissen, was es mit der im mosaischen Gesetz verbotenen Unkeuschheit zu tun hat.

»(...) Die wohltuenden Empfindungen des Aktes selbst sollen nicht der Beweggrund zum Akte sein, sondern allein, dass ein Mensch gezeugt werde! (...) Wie würde es dir zumute, so da ein sonst ganz gesunder Mann käme, vom Bedürfnisse, einen Menschen mit einer Jungfrau zu zeugen, gedrängt, und zeugte mit deiner Tochter gewaltsam
(!) eine Frucht?! (...)

Und dennoch hätte dieser Mensch keine Sünde gegen die Keuschheit begangen, weil er von dem Ernste gedrängt war, seinen Samen nicht außer einem guten Gefäße zu verstreuen, wodurch einer Menschwerdung ein Pfad abgeschnitten würde. Aber der Akt ist andererseits dennoch ein sündhafter, weil dadurch die wahre Nächstenliebe einen gar gewaltigen Stoß erlitt!

Gesetzt, dich selbst drängte ein ernster Akt in der Fremde, du träfst da ein Weib auf einem Felde, und du gewönnest es durch Geld
(!) und Worte, deinem Drange entgegenzukommen, und das Weib willfahrte dir das, so hättest du dadurch keine Sünde gegen die Keuschheit, auch keinen Ehebruch begangen, so die Person auch eines Mannes ordentliches Weib wäre.(kein Druckfehler!)(...)

Ein Mann aber kann mit seinem Weibe ebensogut die Unkeuschheit treiben als mit einer Hure und ärger noch. (...) ein Weib kann überreizt werden und dadurch in eine leidenschaftliche Begehrlichkeit übergehen, wodurch sie dann eine viel ärgerlichere Hure werden kann (...)«

(Großes Evangelium Johannes, Band 3, Kapitel 215, Verse 2-10)


Das Grundrecht der Frau auf körperliche Unversehrtheit wird relativiert. Die Vergewaltigung ist hier keine Sünde gegen die "Keuschheit", nur eine Sünde gegen die "Nächstenliebe". Geschlechtsverkehr gegen Bezahlung mit einer verheirateten Frau ist laut Neuoffenbarung kein Ehebruch und nicht unkeusch, innerhalb der Ehe wird Sex aber als unkeusch verboten, sobald er der Frau Spaß macht. Der Grund für diese pervertierte Sexualmoral liegt in der Reduktion der Frau auf ein Mittel zur Fortpflanzung:

»Ich verbiete es auch niemand, zwei, drei, und auch noch mehr Weiber zu haben; denn das Weib ist der Zucht (Züchten von Menschen/Fortpflanzung) der Menschen wegen erschaffen worden.«

(Großes Evangelium Johannes, Band 2, Kapitel 103, Vers 18)


»Sind nun ein Mann und ein Weib in ihren Herzen und Seelen verwandter Natur, so sollen sie sich denn auch ehelichen und sich nach der Ordnung, wie sie in der Natur leicht zu finden ist, des Zeugungsaktes lediglich zu dem Behufe bedienen, um zu einer lebendigen Frucht nach ihrem Ebenmaße zu gelangen; ein mehreres, als eben dazu vonnöten ist, ist wider die Ordnung Gottes und der Natur und somit ein Übel und eine Sünde, die nicht um vieles besser ist als die stumme zu Sodom und Gomorrha! (...)
(Ehepaare hätten demnach bei bekanntem weiblichen Zyklus etwa so oft Sex, wie sie später Kinder hätten. Was aber tun, wenn "Mann" damit nicht auskommt?)
Hat ein Mann viel des Samens, nun, so tue er ihn legen in einen andern Acker, nach der guten Art der alten Väter und Patriarchen, und er wird nicht sündigen. (...) Nur ein junger zeugungs-feuriger Mann, so er von den Reizen eines Mädchens zu sehr ergriffen wird derart, dass er kaum seiner Sinne mächtig ist, der kann
(!) eine Jungfrau beschlafen, ob mit oder ohne Zeugung (...) Und ist aus solcher Notzeugung (Anlehnung an "Notzucht": Ein alter deutscher Begriff für Vergewaltigung) eine Frucht zustande gekommen, so muß er der Jungfrau das Zehn- bis Hundertfache von dem geben, was er ihr nach Moses nur einfach schuldig wäre, wenn keine Frucht aus dem Akte entstanden wäre«

(Großes Evangelium Johannes, 3. Band, Kapitel 66, 3-4)


Die Berufung auf 5. Mose, Kapitel 22, Verse 28f lässt keinen Zweifel, dass es auch hier um Vergewaltigung geht. Halten wir fest: Der Jesus der Neuoffenbarung erlaubt hier Vergewaltigung, sofern der Mann zeugungsfähig und von den Reizen eines Mädchens zu sehr ergriffen ist.

Der Versuch einer Erklärung durch den Zeitgeist bei Lorber greift ins Leere, wenn man davon ausgeht, die Neuoffenbarung sei von Gott selbst diktiert. Es stellt sich die Frage, ob die hier vorgestellten Normen wirklich eine göttliche Korrektur zur christlichen Sexualethik sein können. Hier die entsprechende biblische Sexualethik zum Vergleich:

»Freu dich doch an deiner eigenen Frau! Ihre Liebe ist wie eine Quelle, aus der immer wieder frisches Wasser sprudelt. Willst du sie verlieren, weil du dich mit anderen einlässt? Dir allein soll ihre Liebe gehören, mit keinem anderen sollst du sie teilen! Erfreue dich an deiner Frau, die du als junger Mann geheiratet hast. Bewundere ihre Schönheit und Anmut! Berausche dich immer wieder an ihren Brüsten und an der Liebe, die sie dir schenkt! Mein Sohn, willst du dich wirklich mit einer anderen vergnügen und mit einer fremden Frau schlafen? Der Herr sieht genau, was du tust; nichts bleibt ihm verborgen. Wer Gottes Gebote missachtet, dreht sich selbst einen Strick und ist gefangen in seiner Schuld. Wer sich nicht beherrschen kann, schaufelt sich sein eigenes Grab.«

(Sprüche 5, 15-23, nach der Übersetzung "Hoffnung für alle")



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